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Das Deutsche CSR-Forum auf dem 1. CSRcamp in Berlin

Gastbeitrag von Marie Glück

Als ich in XING die Nachricht über ein Barcamp in Berlin zum Thema CSR las, wusste ich sofort: Da muss ich hin! Das interaktive Barcamp-Format lernte ich bereits in Stuttgart kennen und weiß, dass es ganz automatisch zu spannende Themen und tollen Gesprächen führt. Der Austausch auf Augenhöhe steht hier im Vordergrund.

Angekommen am Sonntag im Scandic Hotel am Potsdamer Platz für die WarmUp-Session wurde ich von elegantem Design und einem freundlichen Orgateam empfangen. Über 30 Newbies wollten es wissen: Worauf habe ich mich hier eingelassen? Bei zwei Probesessions wurde gleich kräftig gefragt und mitdiskutiert. Warum kann ich auf Buchungsportalen für Übernachtungen und Hotels eigentlich nicht „Nachhaltigkeit“ als Kriterium auswählen? Und, verkommt CSR zum Marketingtool? Der rege Austausch wurde vom hoteleigenen Honig versüßt und bei einem exzellenten Buffett weitergeführt. Die Vorfreude auf den nächsten Tag war groß.

Mit dem Bus bei der Eventlocation der „besonderen Orte“ Jerusalemkirche angekommen, schlug mir sofort einen erwartungsvolle und gespannte Stimmung entgegen. Bekannte Gesichter grüßten mit einem gut gelaunten „Guten Morgen!“ und der Wohlfühlfaktor war sofort groß. Hier bin ich richtig, um Themen zu diskutieren und Fragen zu stellen, die mir schon lange unter den Nägeln brennen. Nach effizienter Vorstellungsrunde mit Namen und 3 #Hashtags hatte ich einen ersten Überblick über die anderen Teilgeber und schon erste Personen im Kopf, mit denen ich mich unbedingt austauschen wollte. Und schon startete der Sessionpitch: Kurzvorstellung des Themas, Interesse im Plenum abfragen und so eine Raumgröße zuteilen. Matthias und ich boten spontan eine Session mit dem Titel „Müssen wir Menschen zu CSR zwingen?“ an, mit dem Untertitel „Wie erreichen wir die ‚Blinden’?“. Zu unserer Freude fand die Session großen Zuspruch und uns wurde der größte Raum zugeteilt. Nach einer kurzen Pause stand der Ablaufplan fest und, oh Schreck, wir waren gleich am ersten Slot dran! Schnell Stühle zurecht rücken, Moderationskarten und Pinnnadeln bereit legen. Rund 30 Interessierte fanden sich ein und wollten mit uns diskutieren, ob man Menschen zu CSR zwingen sollte.

In der Diskussion kristallisierten sich zwei Ströme raus: Unternehmen sollte der Staat durch Gesetze zu nachhaltigem Verhalten verpflichten, für Konsumenten sind Anreize zu schaffen. Bis die Unternehmen verstehen, dass strategisches CSR-Management Werte und Qualität schafft, brauchen Best-Practice Beispiele Sichtbarkeit um ihre Strahlkraft zu vergrößern. Die Diskussion über die Konsumenten drehte sich u. a. um Ansätze zum bewussten Umgang mit Lebensmitteln in der Bildung, den elitären Charakter, den CSR / Nachhaltigkeit hat und, dass Nachhaltigkeit im Grunde Spaß machen soll. Verbote und „schlecht machen“ von „nichtnachhaltigem“ Verhalten transformiert nicht die Gesellschaft. Auch der lang ersehnte Bewusstseinswandel wurde angesprochen, wobei auch der „bewusste Konsument“ aber bitte nicht auf seine Reise auf die Malediven verzichten möchte. Die Herausforderung liegt hier auch darin, die Gruppe der „Gutmenschen“ und derer, die sich einen Dreck darum scheren, zusammen zu bringen. Eine interessante Idee, den Mainstream zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen, war die Nutzung populärer Formate wie bspw. der Tatort. Warum hier nicht mal Umweltskandale und schlechte Arbeitsbedingungen thematisieren? Die Rolle der Medien, die informieren und Meinungen bilden, ist nicht zu unterschätzen. Hier schließt sich der Kreis, da die Medien auch Sichtbarkeit für Engagement schaffen können. Die Essenz der ersten Session: Bei den Unternehmen mit Zwang arbeiten, bei den Verbrauchern im Kopf ansetzen und Anreize schaffen. Nachdem alle warm diskutiert waren, ging es nahtlos in die zweite Session über.

Hier traf ich bei GuteTat.de auf neue Diskussionspartner. Themen hier: CSR und Fachkräftemangel, Mitarbeiterbindung, Corporate Volunteering und Employer Branding. Wir starten mit einem Input über verschiedene Trends und Umfrageergebnisse, wie bspw. Fachkräftemangel, Wertewandel und die Tatsache, dass Unternehmen bei Skandalen inzwischen Stellung zu ihrer Lieferkette nehmen müssen. Über das Umfrageergebnis, dass junge Menschen bevorzugt bei sozial engagierten Unternehmen arbeiten möchten, landeten wir bei sozialen Teamevents. Der Diskussionsbeitrag, dass berufliche Bildung schon in der Grundschule ansetzen sollte, führte auch zu einer Paralleldiskussion online bei Twitter. Freudig nahm ich die Erkenntnis der Deutschen Post DHL zur Kenntnis, dass Employee Engagement positiv mit dem CSR-Engagement in dem jeweiligen Unternehmensbereich korreliert. Auch die Frage, ob man als Unternehmen nicht lieber das Geld direkt spenden sollte, um den Zaun professionell streichen zu lassen, anstatt den hochbezahlten und schlechtgelaunten Mitarbeiter hinzustellen und das dann Social Event zu taufen, führte zu gegensätzlichen Meinungen. Einerseits wäre es doch sinnvoll den Mitarbeiter mit seinen fachlichen Kompetenzen für soziale Projekte einzusetzen, auf der anderen Seite ergeben sich neue Perspektiven, wenn man einfach mal was ganz was anderes macht. Fazit: Das kommt ganz auf die Mitarbeiterstruktur an und sollte intern diskutiert werden. Weiteres Thema war die Anbahnung der Kooperationen zwischen Unternehmen und NGOs für die Durchführung des Social Events. Wichtig war hier, eine gemeinsame Vision herauszuarbeiten und Kommunikation auf Augenhöhe zu führen.

Mittagspause! Mit regionalen und vegetarischen Köstlichkeiten und Austausch mit anderen Teilgebern.

Mit vollem Bauch beglückte ich die dritte Session zu CSR-Controlling. Bei dem Impulsvortrag, der eher einer Vorlesung glich, blieb bei mir hängen, dass das CSR-Potenzial darin liegt, strategisch das zu machen, was sozial noch nicht institutionell verankert ist. Die weiteren Gedanken bestätigten meine Überzeugung, dass CSR Chefsache ist und die geplanten Maßnahmen mit entsprechenden Indikatoren hinterlegt werden sollten. Denn nur was gemessen wird, kann auch gemanaged und somit reduziert werden.

Die vierte Session im AfB-Raum war mit Abstand die interaktivste, an der ich teilnahm! Nach einem kurzen Impuls über Social Business ging es ans Werk. Unternehmensnamen auf Metaplankarten und jetzt: alle bitte zwei Stühle weiter und die Haupttätigkeiten des dort liegenden Unternehmens aufschreiben. Alle Metaplankarten umdrehen und ein soziales Problem benennen. Wieder Stühle wechseln und die betroffene Zielgruppe aufschreiben. Ein Part, der mir besonders gut gefällt: Was kann diese Gruppe Menschen besonders gut? Auch das schrieben wir auf. Jetzt geht das große Feilschen los. Welches gesellschaftliche Problem kann durch die Tätigkeiten des Unternehmens gelöst werden? Wir entwickeln kreative Ideen und stellen diese potenziellen Investoren vor. Spannende Abschlussfrage: Ist Social Business das neue CSR? So würden Kosten- in Ertragsstellen umgewandelt werden.

Nach dieser Session war das CSRcamp leider vorbei für mich, da ich mit dem Zug zurück nach Stuttgart gefahren bin.

Was hat es mir gebracht?
• Viele tolle Kontakte zu interessanten Menschen mit spannenden Projekten
• Austausch auf Augenhöhe – jeder ist Experte
• Denkanstöße und Impulse für meine Arbeit
• Mögliche Teilnehmer und Redner für das Deutsche CSR-Forum im April (www.csrforum.eu)

Als kleiner Tipp meiner bisherigen (doch noch bescheidenen) Barcamp-Erfahrung: Je konkreter ich frage, umso konkreter die Antwort!

Wir freuen uns, mit dem Deutschen CSR-Forum als Partner und Raumpate auf dem 1. CSRcamp vertreten gewesen zu sein und hoffen auf eine erfolgreiche Weiterführung im nächsten Jahr. Gerne auch zwei Tage, z. B. Freitag und Samstag.