Verantwortungsbewusste Unternehmensführung und nachhaltiges Wirtschaften der Unternehmen - Interview mit Sabine Reuss (Capgemini)

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Capgemini war ein aktiver Partner auf dem #CSRcamp16. Das Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen übernahm eine Raumpatenschaft, gestaltete mit Sabine Reuss und Elke Kux eine viel beachtete Session, beide brachten sich aktiv in den Diskurs zu den unterschiedlichen Themen ein. Ein Idealfall für ein jedes Barcamp. Im Nachgang des Camps haben wir mit Frau Reuss (Vice President Marketing & Communications GSA; Vorsitzende CR &S Board) ein kurzes Gespräch führen können.

Obgleich es ja keine echte Knappheit an offiziellen Definitionen dessen gibt, was „Corporate Social Responsibility“ eigentlich bedeuten soll, gleichviel die Frage: Welches Verständnis haben Sie von CSR?

In der Tat hat es schon im Mittelalter den Grundsatz des ehrbaren Kaufmanns gegeben. Seit dem gibt es zahlreiche Definitionen. Aus unserer Sicht kommt es auf eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung und nachhaltiges Wirtschaften der Unternehmen an. Die Reduzierung auf die Betrachtung der Auswirkungen auf die Gesellschaft sind zu kurz gesprungen. Es kommt vielmehr auf die Coporate Responsibility an und wie die unterschiedlichen Stakeholder, also auch Umwelt, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten etc. hierbei Berücksichtigung finden.

Die CSR-Debatte hat inzwischen einen gewissen Reifegrad erreicht, nicht zuletzt durch zahlreiche Erfahrungen bei der praktischen Umsetzung. Wo sehen Sie aktuell die bedeutendsten Herausforderungen für „Corporate Social Responsibility“, theoretisch wie praktisch?

Es gibt vielfältige Aktivitäten in Unternehmen, die unterschiedlich ausgeprägt sind. Aber letztendlich geht es darum, dass die CR-Aktivitäten in die Unternehmensstrategie integriert werden und die Aktivitäten an sich nachhaltig, transparent und glaubwürdig sind. Bei der praktischen Umsetzung ist es wichtig, dass sowohl das Management hinter der CR Strategie steht, aber auch die anderen Stakeholder entsprechend einbezogen werden – dem sogenannten Stakeholder- Value-Ansatz kommt zunehmend mehr Bedeutung zu.


Gerade die CSR-Maßnahmen vieler Großunternehmen werden von Kritik ja nicht eben verschont. Wo sehen Sie inzwischen die Hauptprobleme von CSR-Maßnahmen in Hinsicht auf deren Umsetzung?

Oft wird Unternehmen z. B. Greenwashing vorgeworfen, also eine Art „Freikaufen“. Bei der Umsetzung gibt es zwei Aspekte. Das wichtigste ist Glaubwürdigkeit der Maßnahmen hier ein konkretes Beispiel: Wir können derzeit nicht verhindern, dass – mit Ausnahme von Elektro-Fahrzeugen – Autos CO2 ausstoßen. Aber ich erwarte von Unternehmen, dass sie in die Forschung investieren, um so den CO2 Ausstoß zu reduzieren um dem entgegenzuwirken. Dass parallel aus CR Sicht auch andere Umweltaktivitäten zur Reduzierung von Umweltbelastungen gefördert werden ist sicher begrüßenswert. Manipuliert aber ein Unternehmen gleichzeitig die Abgaswertmessung, dann geht die Reputation verloren und die Maßnahmen werden (zu Recht) als Greenwashing kritisiert. Wir sollten aber gute Aktionen nicht kritisieren. Auch gibt es andere Länder in denen das Engagement der Unternehmen viel ausgeprägter ist als bei uns. Zum Teil ist es ein anderes Selbstverständnis, zum Teil wird aber das CR Engagement auch stärker gefördert.

Das CSR-Thema ist ja einerseits sehr auf spezifische Fachöffentlichkeiten im Umfeld der jeweiligen Behörden, Institutionen, Unternehmen ausgerichtet, einschließlich der jeweiligen Klientel, Kundschaft und anderer Stakeholder. Andererseits ist auch nicht unerheblich, wie die Mitglieder, Mitarbeiter intern über entsprechende CSR-Maßnahmen denken und sprechen, um diese zum Erfolg zu führen. Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund die Bedeutung der jeweiligen Mitarbeiterführung für den CSR-Erfolg? Gibt es hier eine bestimmte, nachweisbare oder auch nur plausible Korrelation?

Mitarbeiter(innen) und potenzielle Mitarbeiter(innen) sind wichtige Stakeholder des CR Engagements. Wir müssen sie in diese Maßnahmen mit einbeziehen, damit sie sich mit den Maßnahmen auch identifizieren können und sich gerne einbringen. Verschiedene Untersuchungen belegen, dass damit zum einen die Arbeitgeberattraktivität für „New Hires“ gesteigert werden kann, und zum anderen auch die sogenannte Retention, d. h. dass Arbeitgeber im Unternehmen verbleiben, verbessert werden kann, da sich die Mitarbeiter(innen) stärker mit dem Unternehmen identifizieren kann.

Zum Schluß: Wie stellen Sie sich die weitere Entwicklung bei der Diskussion und Implementierung von CSR-Maßnahmen vor? Was lässt die Evolution von CSR in Zukunft erwarten? Eine Trendanalyse bitte.

Wir stellen beispielsweise fest, dass wir nicht nur unsere Angaben in Ausschreibungen machen müssen, sondern zunehmend auch der Beleg (z. B. ISO Zertifizierungen) dazu gefordert wird um bei einer Auftragsvergabe berücksichtigt zu werden. Zudem gibt es ab 2017 gibt es eine Berichtspflicht für CR & S Maßnahmen. Diese Berichte werden viel transparenter machen, was Unternehmen leisten, oder auch nicht. Dadurch wird sicher auch die Diskussion in Unternehmen durch die Mitarbeiter, aber auch von den anderen Stakeholdern angefacht, welche Maßnahmen mit welchem Zweck verfolgt werden. Von dem reinen gesellschaftlichen Engagement wird es sich weiter in Richtung Stakeholder Management entwickeln. Darüber hinaus werden die Maßnahmen deutlich stärker mit Kennzahlen belegt werden müssen. CR wird in Zukunft ein noch bedeutenderer Erfolgsfaktor für das Employer Branding sein, aber auch zunehmend in der Kundenbeziehung eine wichtige Rolle spielen.

Vielen Dank für das Gespäch, Frau Reuss.

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